Windelfrei (Hello Nappy)

Trocken bleiben und nicht trocken werden. Windelfrei bedeutet, frei zu sein von der Abhängigkeit einer Windel.
Windelfrei-Babys tragen eine (Stoff-)Windel lediglich als kleines Backup.

Es ist ein biologisch verankertes Grundbedürfnis eines jeden Babys, nicht in seinen Ausscheidungen zu liegen und sich selber nicht zu beschmutzen. Und dies bereits ab Geburt. In den ersten 3 Monaten findet die "sensible Phase" statt, in der das Baby seine Ausscheidungsvorgänge lernt und in seinem Unterbewusstsein speichert. Von Natur aus gibt das Baby ab Geburt Zeichen von sich, die darauf hindeuten, dass es Hunger hat, müde ist oder eben auch, dass es mal muss. Das ist ein angeborener Reflex. Wenn wir dem Baby dann die Möglichkeit geben, über einem Töpfchen (oder Waschbecken/Toilette) sauber, sicher und einfach auszuscheiden, entwickelt sich sein Ausscheideverhalten so wie es die Natur eigentlich vorgesehen hat.

Man bedenke, dass nur ungefähr bei 20% der Weltbevölkerung die Babys Windeln tragen. Alle anderen tragen keine Windel, d.h. sie werden abgehalten. Bei den Bewohnern in Schwellenländern und Naturvölkern ist es normal, dass die Babys abgehalten werden. Früher war es auch hierzulande so, dass die Kinder viel früher trocken wurden und man sich vermehrt auf die Zeichensprache der Babys achtete. Das Waschen war früher mit sehr viel Aufwand verbunden. So war es klar, dass man die Kinder möglichst früh trocken haben möchte. Erst im Laufe der Industrialisierung trugen die Kinder während einem längeren Zeitraum Windeln. Seit dem Aufkommen von Wegwerfwindeln wurde der Zeitraum noch viel länger. Die Probleme, die dadurch entstehen, sind immens, gesundheitlich wie auch ökologisch. Durch eine neue Studie von spezialisierten Ärzten aus China wurde sogar der Zusammenhang zwischen dem Gebrauch von Wegwerfwindeln und primärer Euresis (Bettnässen) belegt.

(https://de.wikipedia.org/wiki/Rita_Messmer#Einzelnachweise, unter Punkt 13. scientific reports. 10, 14407 (2020)).

  

Und was hat "Windelfrei" mit Stoffwindeln zu tun?

Die Stoffwindel enthält im Gegensatz zu den Wegwerfwindeln keinen Superabsorber. Die Windel fühlt sich nach der Ausscheidung nass an. Das gibt dem Kind das wichtige Nässefeedback und es kann dabei die richtigen Verknüpfungen machen. Stoffwindelbabys werden definitiv früher trocken und haben selten langfristige Probleme. Du kannst die Stoffwindel sehr gut als "Backup" verwenden, auch wenn du dein Baby regelmässig abhalten möchtest. Denn du wirst es niemals schaffen, jedes Pipi in einem Töpfchen abzufangen.

Ist das Abhalten nicht Stress pur?
Aus den oben genannten Gründen ist es für das Baby nur schon ein grosser Vorteil, wenn du es mit Stoffwindeln wickelst. Wenn du es zusätzlich ein paar mal am Tag über ein Töpfchen, Waschbecken oder Toilette abhältst, erreichst du schon sehr viel! Bereits zwei mal am Tag abhalten (z.B. am Morgen nach dem Aufwachen und nach oder während einer (Still-)Mahlzeit, oder gleich bei jedem Windelwechsel) reicht bereits aus, dass die richtigen Verknüpfungen im Hirn aufrecht erhalten bleiben. Du wirst feststellen, wenn es ein paar mal geklappt hat, bist du so erfreut (übrigens auch das Baby) dann kannst du nicht mehr zurück und wirst es immer wieder abhalten. Irgendwann spürst du genau, wenn dein Baby muss und so klappt es immer besser und zuverlässiger.

 

Gute Kommunikation zwischen Baby und Eltern

Das Baby ist ja noch so klein und hilflos und ist darauf angewiesen, dass die Eltern in den ersten Lebensmonaten voll und ganz auf seine ureigenen Bedürfnisse reagieren und darauf eingehen.Jedes Baby gibt den Eltern von Beginn an Zeichen wenn es Hunger hat oder müde ist. Darauf hin wird es gestillt oder man lässt es schlafen. Das Baby gibt auch Zeichen, wenn es ausscheiden muss, denn es möchte nicht in seinen Ausscheidungen liegen. Darauf hin wird es abgehalten. Dieses unmittelbare Reagieren auf alle seine Bedürfnisse vermittelt dem Baby Sicherheit. So kann es das elementare Urvertrauen aufbauen. Es macht dich als Eltern stolz, wenn du weisst, dass du die Bedürfnisse deines Babys richtig erkennst, dies vermittelt auch dir Sicherheit. Das strahlst du aus und übermittelst es automatisch wieder aufs Baby.

 

Es gibt manchmal Situationen, bei denen du nicht auf Wegwerfwindeln verzichten möchtest. Das ist völlig ok. Auch wenn du überwiegend Stoffwindeln benutzt und trotzdem in wenigen Fällen mal auf Wegwerfwindeln zurückgreifst, kannst du die gesunde Entwicklung deines Baby positiv unterstützen.

  

Beratung

Lass dich Beraten und erfahre, wie du am besten mit "Windelfrei" startest, wie du die Zeichensprache deines Babys deuten kannst und welches "Equipment" dir dabei hilft und es stressfrei und alltagstauglich macht. Diese Thematik kann perfekt in die Stoffwindelberatung eingeflossen werden, gerne kannst du dich über beide Themen beraten lassen.


Windelfrei/HelloNappy im SRF1


Am 23. Oktober 2021 wurde im Schweizer Fernseher ein Beitrag zum Thema Windelfrei/HelloNappy ausgestrahlt. Die Sendung "gesundheitheute" hat dieses Thema aufgegriffen und einfach erklärt, im Gespräch mit der Schweizerin Rita Messer, die bereits vor vielen Jahren entdeckt hat, dass bereits Babys ab Geburt ein Reinlichkeitsbedürfnis haben und uns mitteilen, wenn sie ausscheiden müssen. 
Schaut euch diesen Beitrag an, er ist wirklich sehr empfehlenswert! Rita Messmer erklärt sehr einfach und logisch, wie es funktioniert und zeigt, wie einfach es ist!



Natürlich wickeln mit Wolle


Wolle ist hervorragend geeignet für ein natürliches Wickeln. Durch das von Natur aus enthaltene Lanolin wird die Windel "dicht". Wolle ist atmungsaktiv, schmutzabweisend, temperaturregulierend - und viel pflegeleichter als du denkst.Was du dabei beachten solltest, erfährst du hier:



Übersicht der Stoffwindel-Systeme


Hier findest du schon mal einiges wissenswertes zu den verschiedenen modernen Stoffwindelsystemen.