Die hartnäckigsten Stoffwindel-Mythen

Wir alle kennen die Vorurteile gegen Stoffwindeln nur zu gut. Ständig hat man das Gefühl sich erklären zu müssen und gegen hartnäckige Mythen anzukämpfen. Doch hattest du im Gespräch auch schon mal das Gefühl, dass du nicht weisst wie du eine Behauptung, die dir falsch vorkommt, widerlegen kannst oder bist sogar ins Grübeln gekommen, ob die andere Person tatsächlich recht hat? Halten dich manche Mythen vielleicht sogar vom Wickeln mit natürlichen Materialien ab?

Wir haben für euch die 6 hartnäckigsten Stoffwindelmythen zusammengepackt und - wie sollte es anders sein - widerlegt.

 

"Mit Stoffwindeln bist du nur noch am Waschen"

Natürlich müssen Stoffwindeln nach Benutzung gewaschen gewerden. Genau wie Baumwollkleidung, Handtücher und Bettlaken und sogar Geschirr. Diese würden wir ja nach Benutzung auch nicht einfach wegwerfen oder bei Tellern zu Einwegprodukten greifen.

Generell gilt, desto weniger Stoffwindeln du dir anschaffst, desto öfter musst du waschen. Jedoch musst du nicht jedes Mal eine extra Maschine für deine Stoffies anmachen, sondern kannst sie super zusammen mit deinen Handtüchern, Bettbezügen und anderen Teilen waschen, die eine 60 Grad Wäsche vertragen. Je nach gewähltem Stoffwindelsystem fällt hier mehr oder weniger Wäsche an. Der Wetbag wird mit All-in-Ones natürlich schneller voll, dafür kann aber einfach alles,  so wie es ist, in die Wäsche und muss im Gegensatz zu Wolle nicht extra gepflegt werden. Das hat alles seine Vor- und Nachteile, weshalb es toll ist, dass es verschiedene Systeme gibt und jeder die für sich passende Alternative wählen kann.

Eine einfache Faustregel ist, in etwa alle 3 Tage den Wetbag und die bis dahin benutzten Stoffwindeln zu waschen. Die meisten von euch werden einmal wöchentlich sowieso eine 60 Grad Wäsche für Handtücher etc anmachen, die oftmals nicht ganz voll ist, daher bleibt generell nur noch eine Extrawaschladung pro Woche für die natürliche Windelalternative. Wägt man nun die Vor- und Nachteile einer extra Waschmaschinenladung pro Woche gegen den Müllberg von Wegwerfwindeln ab, der sich ja schliesslich auch nicht ganz von selbst nach draussen trägt, ist das sicherlich vertretbar.

"Stoffwindeln machen einen wunden Po und und hindern die Bewegungsfreiheit"

Stoffwindeln tragen deutlich mehr auf als Wegwerfwindeln, das stimmt. Doch die Bewegungsfreiheit wird dadurch nicht eingeschränkt. Wollwindeln sind beispielsweise dehnbar und passen sich dem Körper optimal an. Sie machen jede Bewegung mit. Wegwerfwindeln werden mit zunehmend aufgenommener Flüssigkeit immer dicker, und das nicht am Po, sondern zwischen den Beinen, was beim Laufen tatsächlich hinderlich sein kann, wenn die Wickelintervalle zu lang sind.

Der wunde Po, bzw Windeldermatitis, tritt wesentlich häufiger bei Wegwerfwindeln als bei Stoffwindeln auf. Das liegt daran, dass einerseits die Wickelintervalle in der Regel kürzer sind, wickelt man mit natürlichen Materialien, wodurch weniger beissendes Ammoniak entstehen kann, andererseits lässt Plastik deutlich weniger Frischluft durch. Der Superabsorber klassischer Einwegwindeln ist zudem so saugstark, dass er nicht zwischen Ausscheidungen und Haut unterscheidet, wodurch die zarte Babyhaut schneller austrocknet und dann oft mit herkömmlichen Cremes versucht wird, das Ganze wieder in Balance zu bringen, unwissentlich, dass auch die Inhaltsstoffe dieser oft nicht für eine gesunde Hautbalance sorgen und die oftmals enthaltenen Duftstoffe die Haut weiter reizen können.

Ein klarer Vorteil von Stoffwindeln ist, dass du selbst entscheiden kannst welche Materialien an die Babyhaut kommen. Und gegen das Argument, dass Baumwolle und Wolle deutlich verträglicher sind als Plastik und Chemikalien, kann wohl niemand etwas sagen.

"Stoffwindeln sind teuer und lohnen sich finanziell nicht"

Stoffwindeln können teuer sein, das stimmt durchaus. Es ist ein grosser Betrag der zu Beginn der Wickelzeit fällig wird. Wegwerfwindeln gehen monatlich ins Budget und das bis zum Ende der Wickelzeit. Wenn man Stoffwindeln gut pflegt, kommt man mit einer einmaligen Anschaffung gut durchs Wickelalter. Die Kosten für Wegwerfwindeln überholen irgendwann die Kosten für die Stoffwindelanschaffung. Auf die gesamte Wickelzeit gesehen, sind Stoffwindeln günstiger. Noch dazu, wird man oft von Familie und Freunden vor der Geburt nach Geschenkideen gefragt. Anstatt einer Wegwerfwindeltorte, wäre auch eine Stoffwindeltorte ein tolles nachhaltiges Geschenk, von dem man lange etwas hat.

Natürlich kommt es hier auch ein wenig darauf an, wie viele Stoffwindeln man sich gerne anschaffen möchte. Ein Baby braucht bis zu 6000 Wegwerfwindeln, bis es trocken ist. Das ist eine enorme Menge und geht ins Geld. Wenn du 20 Rappen pro Wegwerfwindel rechnest kommst du so auf CHF 1200, die Abfallgebühren noch nicht miteinberechnet. Im Gegensatz dazu, kommst du beispielsweise mit 25 AIO Windeln auf rund CHF 650. Für jedes Budget gibt es eine passende Stoffwindellösung. Zum anfänglichen Testen gibt es zudem auch Mietpakete und Beratungen, so kann man in Ruhe ausprobieren, welches System man am praktischsten findet und ob man gut mit dem Stoffwickeln zurechtkommt, ohne direkt zu tief in die Tasche greifen zu müssen.

"Stoffwindeln sind gar nicht ökologischer"

Neuste Studien zeigen, dass die durchschnittliche Ökobalance von Stoffwindeln besser ist, als die von Wegwerfwindeln. Man spart in der Regel bis zu 40% CO2 ein. Wichtig dabei ist, dass der Strom fürs Waschen nicht aus fossiler Quelle stammt, man mit voller Wäschetrommel und nicht über 60° wäscht und die Stoffwindeln nach der Wickelzeit nicht wegwirft, sondern Secondhand an jemanden weitergibt, denn Stoffwindeln können von mehreren Kindern getragen werden.

Dazu kommen andere Pflegeprodukte, wie zB Baumwollwaschlappen statt Feuchttücher oder Wetbags statt Plastiktüten. Wie bereits aufgezeigt, ist durchschnittlich nur eine zusätzliche Waschmaschinenladung pro Woche nötig, somit hält sich auch der Wasserverbrauch in Grenzen.

Die Ökobilanz kann zudem noch weiter verbessert werden, wenn die Stoffwindeln aus nachhaltiger Bio Qualität und fairer Herstellung stammen.

"Stoffwindeln sind unhygienisch und stinken"

Lässt du die Stoffwindeln eine ganze Woche in einer sonnigen Wohnung stehen, dann stinken sie sicher, das ist ganz klar. Das tun Wegwerfwindeln in der gleichen Situation aber auch. Stoffwindeln, die regelmässig (ein guter Anhaltspunkt ist alle 3 Tage) gewaschen werden und richtig aufbewahrt werden, stinken nicht. Wichtig ist darauf zu achten, dass man alternative Feuchttücher (nasse Baumwolllappen) getrennt von Stoffwindeleinlagen aufbewahrt, beispielsweise in einem separaten Wetbag. So entwickeln sich weniger Bakterien.

Stoffwindeln sollten mit Vorwäsche, bei 60 Grad und mit Zugabe von Sauerstoffbleiche gewaschen werden. Dann werden diese wieder hygienisch sauber und entwickeln keine unangenehmen Gerüche. Auch der Wetbag sollte regelmässig mitgewaschen werden. Stuhlgang kann entweder abgeschüttelt oder mittels eines Windelvlies direkt separat entsorgt werden.

"Stoffwindeln saugen zu wenig stark und laufen immer aus"

Saugmaterial gibt es heute aus allen möglichen Materialien - diese saugen unterschiedlich stark. Baumwolle, aus der die klassischen Mullwindeln von früher, heute oft als Spucktücher verwendet, hergestellt werden, nimmt zum Beispiel deutlich weniger Wasser auf als Hanf. Booster aus Hanf und Bambus sind tolle Saugverstärker und tragen zudem wenig auf. Stoffwindeln laufen dann aus, wenn sie nicht richtig sitzen oder zu wenig stark befüllt sind, doch du findest schnell heraus wie viel Saugmaterial dein Kind benötigt und kannst dies entsprechend mit steigendem Alter immer wieder anpassen. Natürlich gilt hier auch die Wickelintervalle anzuschauen. Laufen deine Stoffwindeln regelmässig aus, kannst du ein Wickelprotokoll führen um dir aufzuzeigen wie oft du am Tag wickelst. Eventuell musst du deine Wickelintervalle etwas anpassen oder mit Boostern aus saugstarken Materialien arbeiten. Wollwindeln sind hier auch eine tolle natürliche Wickelalternative, denn Wolle nimmt einen grossen Anteil Flüssigkeit auf ohne sich nass anzufühlen, solltest du mal länger als geplant unterwegs sein. Der richtige Sitz ist natürlich wichtig. Schliessen die Beinbündchen nicht gut ab, kann dort schnell eine Schwachstelle entstehen, daher lohnt es sich in hochwertig hergestellte Stoffwindeln zu investieren. Das Gleiche gilt allerdings auch für Wegwerfwindeln. Ein klarer Vorteil von Stoffwindeln: durch die Bündchen am Rücken kommt es nicht zu "Explosionen" bis in den Nacken, wie man das von Wegwerfwindeln kennt, die am Rücken leider weniger gut dicht halten.

Konnten wir deine Bedenken widerlegen und du hast vielleicht sogar Lust bekommen mehr über das Wickeln mit Stoff zu erfahren? In einer persönlichen Beratung oder einem Stoffwindelworkshop gehen wir gerne auf deine Fragen ein.


Foto: ModernClothNappies